Hänsel und Gretel sind allein daheim und sollten sich um den Haushalt kümmern, doch – ganz wie normale Kinder – albern sie stattdessen lieber herum. Dabei kommt es zu dem berühmten Sahnetopf-Zwischenfall, woraufhin die verärgerte Mutter die beiden in den Wald schickt. Bei Einbruch der Dunkelheit verirren sich die beiden und begegnen allerlei zauberhaften Wesen. Was als Abenteuer beginnt, wird plötzlich ernst: Sie geraten in die Fänge der Knusperhexe Rosina Leckermaul, die Böses im Schilde führt…
Die Zutaten für eines der berühmtesten Grimmschen Märchen sollten auch Engelbert Humperdinck zu weltweitem Erfolg verhelfen – und das, nachdem er das Komponieren fast aufgegeben hatte.
Doch ganz wie Hänsel bekommt Humperdinck Rückendeckung von seiner Schwester Adelheid Wette, die ihn um Musik für das von ihr gedichtete Märchenspiel bittet. Was wie ein einfaches Singspiel für Kinder anfängt, wächst sich zu einer der schönsten und bekanntesten romantischen Opern aus. Durch Engelbert Humperdincks zauberhafte Musik und Adelheid Wettes liebevoll gestalteten Figuren gewinnt diese Oper die Herzen von Klein und Groß bis heute.
Wie sich Hänsel und Gretel dank ihres Mutes und ihrer Schlauheit befreien, erzählte im Oktober 2025 das Opernstudio Bruchsal unter der neuen künstlerischen Leitung von Christiane Fiedler, wie immer bestens musikalisch geleitet am Klavier von Mirai Nakahira.
Im Wien der 1870er Jahre war für Johann Strauss (Sohn), dem Walzerkönig, das Genre der Operette noch Neuland. Die aus Paris importierten Opéras bouffes Jacques Offenbachs dienten als Vorbild für ihn und seine Kollegen Franz von Suppé, Karl Millöcker und Carl Zeller. Strauss aber landete die größten „Hits“, die „Die Fledermaus“ mutierte gar zum Evergreen der Operette schlechthin. Seine ersten beiden Operetten „Indigo“ und „Carneval in Rom“ sind große Ausstattungstücke. Ein Freund rät ihm: "Du hast Talent genug, dass eine Operette von Dir keine Ausstattung braucht als Deine Musik.“
Als "Die Fledermaus" am 5. April 1874 uraufgeführt wurde, war Wien noch vom großen Gründerkrach traumatisiert: Aktienkurse fielen um 100 Prozent, die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft. In dieser Zeit komponiert Strauss seine dritte Operette. Die Handlung versteht sich als ein Tanz am Abgrund.
Die Vorlage war das Lustspiel „Le Réveillon“ der Offenbach-Librettisten Ludovic Halévy und Henri Meilhac. Librettist Richard Genée arbeitete es grundlegend um und lieferte als Co-Kompositeur die Orchestrierung. Strauss und Genée rücken das Ganze nicht in eine mythologische Fabelwelt à la Offenbach, sondern kreieren eine schelmisch-böse Gesellschaftssatire. Gefeiert wird ein rauschartiges Fest bei dem steinreichen Prinzen Orlofsky, das sich wohl am Vorabend des Börsenkraches abspielt. Die Hauptfigur und Anti-Held, Gabriel von Eisenstein, ist Rentier, lebt von den Zinsen seines Kapitals. Keiner ahnt, dass am nächsten Morgen nicht so ist, wie bisher.
Der Maskenball, ein Ort der demimonde, galt als anrüchig und aufrührerisch. Ebenso war der Walzer, der sich durch die gesamte Komposition zieht, aufgrund der engen Umarmung und der schwindelerregenden Drehung, verpönt. In dieser hitzigen Atmosphäre kann zur allgemeinen Verbrüderung aufgerufen und leichtherzig das Du im Unisono angeboten werden.
In der Realität hatten viele Wiener ihr Vermögen verloren. Sie suchten Ablenkung und die lieferte die "Fledermaus" - inklusive der verlogenen Gesellschaft, ihrem Hedonismus und dem kapitalistischen Credo des ungehemmten Konsums: "Für die Ewigkeit, immer so wie heut! Wenn wir morgen noch dran denken..."
150 Jahre nach der Uraufführung gibt nun das Opernstudio Bruchsal diesem Werk sein ganz eigenes Gepräge. Johann Strauss‘ Meisterstück ist zeitlos, hält es uns doch auch heute noch den Spiegel vor. In diesem Sinne: „Fledermaus forever!“
Der „Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke beginnt mit zwei Menschen, die es sich schmecken lassen: Onkel Josse und Tante Wimpel sind die Vormunde von Julia de Weert, die ein gewaltiges Vermögen geerbt hat, welches die beiden hemmungslos in Wein und Schnitzel umsetzen. Julia und ihre beste Freundin Hannchen fiebern indes dem Tag entgegen, an dem Julia endlich für volljährig erklärt wird und dem Joch ihrer Vormunde entkommen kann. Aber in Wirklichkeit träumt Julia davon, dass ihr Vetter Roderich de Weert, der sich vor sieben Jahren nach einem Streit mit Onkel Josse nach Batavia (heute: Jakarta, Indonesien) absetzte, aus seinem Exil wiederkehrt, um sie zu heiraten.
Während Julia seitdem jede Nacht sehnsüchtig den Mond anschmachtet, lässt Roderich nichts von sich hören. Doch dann taucht plötzlich ein Fremder auf, der Julia überraschend gut gefällt. Aber warum nur will er seinen Namen nicht verraten?
Oberflächlich betrachtet, ist der „Vetter“ eine einfache „Girl meets Boy“ Geschichte, die dank der operetten-typischen Irrungen und Wirrungen inklusive Rollen- und Kostümwechseln großen Spaß macht. Aber das leichte Sujet täuscht nicht darüber hinweg, dass sich hier ernsthafte Konflikte auftun, die den zunächst schablonenhaft anmutenden Figuren Tiefe verleihen. Zum einen ist da die Hauptfigur Julia mit ihrer Fixierung auf einen phantomhaften, fernen Geliebten und zum anderen der geheimnisvolle Fremde, der sich an die reiche Erbin heranmacht und sich gleichzeitig in sie verliebt. Ganz zu schweigen von dem Generationenkonflikt zwischen den genusssüchtigen Alten und den jungen Leuten, die um ihre Freiheit und um ihr Glück kämpfen müssen.
Der „Vetter aus Dingsda“ gilt als das erfolgreichste Werk von Eduard Künneke (1885-1953), neben anderen Operetten, wie zum Beispiel „Glückliche Reise“. Uraufgeführt wurde sie 1921 und fällt damit in die Ära der Berliner Operette, welche Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Typische Vertreter sind die Komponisten Paul Lincke, Oscar Straus oder Walter Kollo, später nach dem ersten Weltkrieg kamen Paul Abraham, Ralph Benatzky und eben Eduard Künneke hinzu. Im Gegensatz zur Wiener Operette ist die Berliner Operette sehr viel frecher und musikalisch schwungvoller.
Eduard Künneke muss als musikalische Hochbegabung angesehen werden, wenngleich er sich nicht für die Genie-Laufbahn, sondern für das Theaterleben entschied. Er war Kapellmeister an verschiedenen Opern- und Schauspielhäusern und kam dabei mit dem gesamten Spektrum der damaligen Unterhaltungsmusik in Berührung, was sich in seinem Kompositionsstil niederschlug. Daher erscheint der „Vetter“ als Sammelsurium von verschiedensten Tanzstilen: Foxtrott, Walzer, Boston Valse (langsamer Walzer), bis Polka und Tango.
Doch das geschulte Ohr erkennt auch leicht die Anklänge an Wagner (Lohengrin), Humperdinck (Hänsel und Gretel) und Puccini (La Bohème), die Künneke äußerst geschickt verwebt, um die einzelnen Szenen erzählerisch auszuloten.
Wenn man ungnädig sein wollte, könnte man behaupten, dass Künneke keinen eigenen Stil entwickelt hätte und vielmehr rein kommerziell komponierte, denn er bringt charmant alles zusammen, was das Publikum seiner Zeit gerne hörte. Doch ganz im Gegenteil ist „Der Vetter aus Dingsda“ eine sehr abwechslungsreiche Operette mit einer ganzen Reihe von Ohrwürmern, die ihre Genialität dadurch beweisen, dass man sie nur schwer wieder loswird.
Für die Version des Opernstudio Bruchsal haben wir uns ein raffiniertes Spiel mit den Geschlechtern erlaubt, das Stück kaum, aber dafür das Bühnenbild reduziert und uns bis zur Unkenntlichkeit kostümiert, um uns voller Elan in die Musik zu werfen. Das Einzige was Sie davon abhalten könnte sich unseren Vetter anzusehen, ist die Angst vor geballter Frauenpower oder vor Ohrwürmern. Gegen beides ist kein Kraut gewachsen, also wünschen wir Ihnen hemmungslosen Spaß mit dem spielfreudigen Ensemble unter der Regie von Stefan Degen und der musikalischen Leitung von Mirai Nakahira am Klavier.
In unserer großen Jubliäumsgala am 20.05.2019 präsentierte das Opernstudio Bruchsal ein Programm aus 30 Jahren Musiktheater - mit aktiven Ensemblemitgliedern und ehemaligen Akteuren, die ihre damals verkörperten Rollen für dieses einmalige Konzerterlebnis wiederaufnahmen. Als großes Highlight durften wir außerdem Ehemalige begrüßen, die beeindruckende Gesangskarrieren auf den kleinen Bretten des Opernstudios begonnen haben und nun auf den großen Bühnen in aller Welt Ihre Stimmen zum Besten geben oder die neuen Generationen Ihre Erfahrung und Kompetenz als Gesangslehrer zur Verfügung stellen und sie so ans Musiktheater heranführen.
Pünktlich zum 200. Geburtstag des beliebten Komponisten Jacques Offenbach brachte das Opern-Studio Bruchsal eine ganze besondere Neuproduktion auf die Bühne. Die freudesprühende und ohrwurmverdächtige Pastiche des irischen Operetten-Ensembles 'Opera Rara' verbindet in dieser Bearbeitung von Don White die schönsten Offenbach-Melodien mit einem satirischen Blick auf die Entdeckung Amerikas.
Verflochten mit Musik aus den weniger bekannten Offenbach-Operetten, erzählt dieses Musiktheater in einem Feuerwerk von ausgesuchtem britischen Humor und virtuosem Klangwerk die Geschichte von Christoph Columbus auf seinem Weg zur (Wieder)Entdeckung Amerikas.
Der vermeintliche Seeheld hat bisher noch jede drohende Klippe mit Charme und Unverfrorenheit umschifft, jedoch holen ihn seine Sünden beim Großvorhaben plötzlich ein: drei Ehefrauen aus unterschiedlichen Häfen, die bisher nichts voneinander ahnten, treffen just in Spanien aufeinander, als Columbus dabei ist, gerade die Vierte einzureihen. Der Polygamie angeklagt wird er Königin Isabella vorgeführt - die mit ordentlichem Restalkohol und feierlich heruntergelebt eigentlich nur ihren Kater pflegen will. Mit romantischen Gesten schafft er es jedoch nicht nur, sich vor der Anklagebank zu drücken, die Königin stattet ihn zur Finanzierung seiner Entdeckungsreise gen Indien sogar mit den Kronjuwelen aus. Und das, obwohl Columbus die Abenteuerlust nur vorgeschoben hat, um seine Haut zu retten. Zur Strafe für sein skandalöses Eheleben wird Columbus schließlich doch mitsamt des ganzen Trosses auf die große Fahrt geschickt, die dann ausgerechnet seinem Magen so gar nicht bekommen will...
Diese Webseite wurde mit Jimdo Creator erstellt! Jetzt kostenlos registrieren auf https://de.jimdo.com